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Schmerzklinik
am
Arkauwald
Fachklinik für spezielle Schmerztherapie
a
Bismarckstr. 52 - 97980 Bad Mergentheim
Tel.: +49(0)7931-545-0
Fax: +49(0)7931-545-131
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Infos rund um die Uhr,
einfach anrufen
Sie wollen mit einem erfahrenen
Schmerzarzt sprechen? Kein Problem, einfach jeweils an einem Mittwoch
zwischen 13.00 und 14
Uhr oder Donnerstag zwischen
13.00 und 15.00 Uhr die Tel.-Nr.
07931-5450 anwählen (keine extra Gebühren).

Bad Mergentheim
Laut der
Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben
alle
Versicherte
(also auch ältere
Patienten)
einer gesetzlichen Krankenkasse
einen Rechtsanspruch auf eine
Rehabilitation und
können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar
selbst aussuchen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb dazu auch
einen
Brief an die Aufsichtsbehörden. Dieses
Wahlrecht wurde mittlerweile auch durch Urteile von Landessozialgerichten
bestätigt: Baden-Württemberg (Az: L 4 KR 2071/05)
und Hessen ((Az.: L 1 KR
2/05:
Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen
Aufenthalt in einer Reha-Klinik,
so ist sie dazu verpflichtet,
die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu
berücksichtigen
(eine
Revision gegen diese Entscheidung ließ das Gericht gar nicht erst
zu)).
Der
Kläger hatte die Kur noch während des laufenden Prozesses in der von ihm
bevorzugten Einrichtung auf eigene Kosten angetreten. Seine Krankenkasse
wurde dazu verurteilt, ihm die Kosten für die Kur zu erstatten.
Ein Recht, die Reha-Klinik selbst auszuwählen
(gilt auch für
Anschlußheilbehandlung
en), haben nach §9 Sozialgesetzbuch
IX nicht nur Mitglieder der
gesetzlichen Krankenkassen, sondern
Versicherte aller gesetzlichen Rehabilitationsträger, also auch
Rentenversicherungen oder Unfallversicherungen. Die deutsche
Gesellschaft für medizinische Rehabilitation hat dazu eine informative
Broschüre herausgegeben:
hier klicken.
Wenn Sie ein spezielles Schmerzthema suchen, schicken Sie uns einfach ein
kurzes Mail: schmerz@schmerz.com. Wir
informieren Sie prompt. Wir haben über 700 Themen im Internet, diese können wir
hier aber nicht alle auflisten.
Links zu empfehlenswerten Einrichtungen:
Schmerzklinik
(1) Schmerzklinik (2)
Impressum
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Informationen über
Schmerzerkrankungen
von der
SCHMERZKLINIK am ARKAUWALD in 97980 Bad Mergentheim
(Bismarckstr. 52 - Tel. +49(0)7931-545-0 * Fax: 545-131)
Erfahrung schon seit
1987
KOPFSCHMERZ
weitere Suchbegriffe:
Chronischer, episodischer Kopfschmerz
Die Begriffe
·
Als chronisch
bezeichnet man Zustände, die länger als 3 Monate, je nach Definition auch 6
Monate anhalten
·
ein episodischer
Schmerz
tritt von Zeit zu Zeit auf, geht also mit schmerzfreien Intervallen einher
Ca. 4-5% der Weltbevölkerung leiden
täglich an einem Kop
fschmerz. Auf Deutschland umgerechnet bedeutet dies, daß mindestens 3 Millionen
Einwohner betroffen sind. Ca. 80% aller verkauften Schmerzmittel werden wegen
Kopfschmerz
eingenommen.
Die internationale
Kopfschmerzgesellschaft definiert 176 verschiedene Formen, jedoch können 90%
aller Kop
fschmerz
en
zwei Typen zugeordnet werden, der Migräne
und dem Spannungskop
fschmerz.
Ein Kop
fschmerz kann nur in folgenden Bereichen entstehen:
1.
Hirnhäute
(Meningen) und
2.
Knochenhäute,
diese kleiden die Schädelknochen innen und außen aus.
Im Gehirn selbst werden keine
Schmerzen
wahrgenommen. Selbst bei einer Erkrankung des Gehirns können keine
Schmerz
en entstehen, es sei denn, die Hirnhäute sind in das Krankheitsgeschehen
mit einbezogen.
Die häufigsten Ursachen für einen
Kop
fschmerz
sind
Durchblutungsstörungen und Entzündungen, wobei diese aber meist
unterschwellig ablaufen, so daß die entsprechenden Entzündungsparameter
(z.B. Blutsenkung, Leukozytenzahl, C-reaktives Protein) nicht auffällig
sind.
Die einzelnen Kopfschmerzformen
A)
Pri
märer
Ko
pfschmerz
Ein
pri
märer
Ko
pfschmerz ist nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder
psychische Grundkrankheit zurückzuführen. Er gilt als eigenständige
Schmerzerkrankung,
die im Gegensatz zum sym ptomatischen
(= als Folge einer
bekannten Krankheit auftretender)
Ko
pfschmerz
nicht kausal (=
ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet)
behandelt werden kann (Soyka 1989).
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International
Headache Society IHS) unterscheidet vier
pri
märe Kopfschmerzformen als
Ursache eines nichtsymptomatischen,
pri
mären, chronischen Kopfschmerzes:
-
Migräne
-
Kopfschmerz vom
Spannungstyp (Spannungskopfschmerz)
- Trigeminoautonome Kop
fschmerzen (Cluster-Kopfschmerz,
paroxysmale Hemikranie
und
SUNCT-Syndrom)
- Andere
pri
märe Kop
fschmerzen
(in Abweichung von der IHS):
a)
Hemicrania continua b) neu aufgetretener
Dauerkopfschmerz
(engl.: new daily persistent headache) c)
Zervikogener Kopfschmerz
(vertebragener
Kopfschmerz) d)
Okzipitalisneuralgie e)
Raeder-Syndrom f)
Neck-tongue-Syndrom
(Nacken-Zungen-Syndrom)
B)
Sekundärer Kopfschmerz*
(Symptomatischer
Kopfschmerz)
Dieser Begriff
bezeichnet Kop
fschmerzen,
die als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische
Ursache zurückzuführen sind.
- Ko
pfschmerzen als (zunächst) einziges Symptom
- Ko
pfschmerzen als Begleitsymptom
C)
Kombinationskopfschmerzen
1.
Mig räne und
Spannungskopfschmerzen
2.
Mig räne und
Ergotamin-Kopfschmerz
3.
Spannungs- und
Schmerzmittel-Kopfschmerz
4.
andere Kombinationen
A)
Pri
märe Kop fschmerzen:
A.1
Migräne:Was
die Presse über unsere
Migränebehandlung
berichtet:
www.1-migraene.de/artikel1
Bei der Mig
räne
treten in typischer Weise anfallsartige,
bevorzugt
Halbseitenkopfschmerzen (Hemicrania)
auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und
Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Seh- und
Nervenstörungen
kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und
hämmernd angegeben. Ätiologie
(= Krankheitsursache) und Pathogenese
(= Krankheitsentwicklung) sind
letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988
gibt es hauptsächlich zwei Gruppen: Mig räne mit und
ohne Aura. Die frühere Einteilung
in einfache, klassische und komplizierte Mig
räne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Mig
ränetypen:
|
Mig
räne ohne Aura |
|
Mig
räne mit Aura |
|
Mig
räne mit typischer Aura |
|
Mig
räne mit prolongierter Aura |
|
Familiäre hemiplegische Mig
räne |
|
Basilarismigräne |
|
Mig
räneaura ohne Kop
fschmerzen |
|
Mig
räne mit akutem Aurabeginn |
|
Ophthalmoplegische Mig
räne |
|
Retinale Mig
räne |
|
Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Mig
räne |
|
Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
Alternierende Hem
iplegie in der Kindheit |
|
Mig
räne -Komplikationen: |
|
Status migraenosus |
|
Migränöser Infar
kt |
|
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht
erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Mig
ränekop
fschmerzen
ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen
folgen:
- Als typische Anfangssymptome einer Mig
räne (Aura) gelten Sehstörungen, (halbseitige) sensible und
motorische (=
Bewegungs-) Störungen sowie
Dysphasie (=
Sprachausdrucksstörungen). Die
Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30
Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
- Eine Mig
räne mit prolongierter
(=
verlängerter) Aura
liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten
und weniger als eine Woche anhält.
- Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer Halbsei
tenlähmung
einhergehenden) Mig räne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche
Krankheitszeichen.
- Bei der
Basilaris-Migräne
gehen die Kop
fschmerzen
mit Krankheitszeichen des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen,
sensible oder motorische Störungen, Schwindel).
- Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob die
Kop
fschmerzen
bei der ophthalmoplegische Mig
räne
(Schmerzattacken,
der mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergeht) überhaupt der Mig
räne zugeordnet werden können.
- Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in der Kindheit
(anfallsartiger Schwindel und abwechselnde
Halbseitenlähmung (Hemiplegie),
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
- Bei der "kindlichen Mig
räne"
kann auch ein
Bauchschmerz mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen auftreten, gelegentlich
auch ein Temperaturanstieg, ohne daß
Kop
fschmerzen
vorliegen.
- Bei der retinalen Mig räne
sind die Kop
fschmerzen
von einem einseitigen
Gesicht
sfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis zu einer Stunde
anhalten kann.
- Als Mig ränekomplikation
ist der Status migraenosus zu nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer
der Kop
fschmerzen
von mehr als 72 Stunden, trotz
Schmerztherapie.
- Eine weitere Komplikation ist der migränöse Infar
kt.
Dieser liegt vor, wenn ein ischäm ischer
(= durch Blutmangel bedingter)
Hirninfarkt nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik (= anfängliche Krankheitszeichen einer Mig
räne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Schmerztherapie: Zunächst muß der Patient
eingehend über die
Migräneerkrankung
aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf
anamnestisch (=
aus der Vorgeschichte) eruierte
auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders
eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind
hilfreich, so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten,
möglichst Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von
Streß
situationen.
Therapie des akuten Migräneanfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel) möglichst
frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten, bis das
Vollbild der Mig
räne
kop
fschmerzen
eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten
Anzeichen erfolgen.
- Als Mittel der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS)(z.B. Aspirin) 1-1,5g
- Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch mit Paracetamol (z.B. ben-u-ron), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder
Zäpfchen)
- Nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen)
sind gegen
Migränekopfschmerzen
ebenso wirksam wie ASS bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate.
Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B.
Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko
verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt
abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen
werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
- Bewährt hat sich bei einem stärkeren
Migränekopfschmerz
auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol
- Auch ein Therapieversuch mit Metamizol (z.B. Novalgin®)
ist manchmal lohnend
- Ein potentes Therapeutikum bei
Migränekopfschmerzen
ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan (Imigran®). Initiale Dosierung: 100mg zum Einnehmen oder
6mg unter die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kopfschme
rzen maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über
ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung
der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und
Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für
andere Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere
Migränemittel
nicht den gewünschten Erfolg bringen. Zwischenzeitlich gibt es weitere
Triptane: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,) Naratriptan (Naramig®, als
Formigran® rezeptfrei), Rizatriptan (Maxalt®),
Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®) und
Eletriptan (Relpax®). Zur
Behandlun
g der hemiplegischen,
ophthalmoplegischen oder
Basilaris-Migräne
sind Triptane allerdings nicht geeignet.
- Ergotaminpräparate sind
klassische
Migränemittel
zur Kupierung eines
Migräneanfall
s, wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz
unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung und Auslösung von zusätzlichen
Dauerkopfschmerzen
steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten pro
Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro
Migräneattacke
nicht mehr als 4mg eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka
1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim
Migränekopfschmerz
die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll.
- Auf dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m.
(= in den Muskel) oder ganz
langsam i.v. (=
in eine Blutader) versucht werden
(1-1,5mg).
- Besonders bei ausgeprägten vegetativen Mig
räne -Begleiterscheinungen hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg Flunitrazepam (Rohypnol®)
(= ein Schlafmittel) sehr
bewährt, auch unter dem Aspekt,
Schmerzmittel einzusparen, zumal
die Patienten in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich
hinzulegen.
Werden die
Migränekopfschmerzen
von Nausea (=
Übelkeit, Brechreiz) und
Erbrechen begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser
Symptome), ist die Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr
wirksam, zum Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg.
Metoclopramid sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es
ist vorteilhaft, diese Substanz vor einem Analgetikum
(=
Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Darm) weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg. Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum
innerhalb einer Praxis, hat sich bei Mig räne die Verabreichung einer
Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit 10mg
Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®)
sehr bewährt, bei heftigen Schmerzen zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B.
Tramal®).
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel) ist bei
bereits voll entwickelten akuten
Kopfschmerzanfall
wenig hilfreich. Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die
Symptomatik in vielen Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika
(= Schmerzmittel)
gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen
werden müssen. Wir blockieren vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die Ner
ven supraorbitales
(= Nerven an der Augenbraue)
(je ca. 0,5ml), occipitales major
(= Nerven am
Hinterkopf) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfenregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die
Migränekopfschmerzen
meist nur einseitig auftreten, hat es sich bewährt, diese Therapie nicht
nur auf die aktuell betroffene Kopfhälfte zu beschränken. Wenn heftige
Migräneanfälle
gehäuft (mehrmals pro Woche) auftreten, sind im Rahmen einer stationären
Therapie schmerzseitige
Blockaden
(= Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich. Arten die Kopfschme
rzen in einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender
Migräneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige)
zur stationären Aufnahme. Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl
(z.B. Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g
Aspisol® und 10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der
Gabe von Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden. Allgemeinmaßnahmen bei
Migränekopfschmerzen
bestehen in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische
(= vorbeugende) Therapie der Mig
räne: Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen,
so daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migränevorbeugung
sollte nur dann erfolgen, wenn eine
Migräneattacke
mindestens zwei mal pro Monat auftritt. Nach Göbel und Soyka
(1994) ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf
mindestens zweimal ein Status migraenosus, eine prolongierte
(= verlängerte)
Aura oder einmalig ein migränöser Infar
kt (=
Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel)
aufgetreten sind.
- Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mig
räne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die Mig
räne.
Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener 1989); beide
Substanzen werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche
Höchstdosierung für Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol
(z.B. Dociton®) 240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den
Kreislauf betreffende) Störungen
oder einer Bradykardie
(= zu langsamer Puls) muß die Therapie abgebrochen werden (ausschleichend). In der
Einschleichphase müssen daher regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen
durchgeführt werden. Die Wirkungsweise der Beta-Blocker in Bezug auf Mig
räne
ist noch nicht sicher bekannt.
- Zur Intervalltherapie beim
Migränekopfschmerz
eignen sich auch Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der
Wirkung von Kalzium entgegenwirkt).
Flunarizin (Sibelium®) sollte aufgrund einer Bewertung durch das
Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen
und schweren Mig räne -Anfällen leiden und
bei denen eine Therapie mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt)
ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat (Natil®) zur
Schmerzprophylaxe nicht bewährt.
- Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) der
Migränekopfschmerz
en besteht in der Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die
dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen (Sandomigran®) hat einen hemmenden
Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der Mig
räne. Lisurid (Cuvalit®), ein Ergotamin -Derivat, ist ein Serotonin
-Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu anderen
Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns kaum verwendet, da
bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
- Zur
Kopfschmerzprophylaxe
bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten) Migräne
soll
Sulpirid (Dogmatil®) hilfreich sein (Thoden 1986).
Göbel und Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg
Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
- Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur
Migräneprophylaxe
umstritten. So wird es z.B. in anglo-amerikanischen Ländern dafür nicht
verwendet.
- Zur
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung)
ist in Deutschland auch das Antiepileptikum
(= eigentlich ein Mittel
gegen die Fallsucht) Topiramat
(Topamax®) zugelassen. Dieses Medikament sollte aber nur bei Erwachsenen
angewendet werden und nur dann, wenn eine Therapie mit Betablockern nicht
indiziert (=
angezeigt) ist, zuvor nicht
erfolgreich war oder nicht vertragen wurde.
- Nach einem Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur Vorbeugung der
Migräne mit
Aura die auch regelmäßige Zufuhr von Folsäure geeignet sein.
Wenn die
Migränenfälle
gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche) auftreten und andere vorbeugende
Medikamente (z.B. Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach unserer Erfahrung
bei Migränekopfschmerzen auch die
therapeutische Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) lohnend,
besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x täglich
konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen theim
1990). Dabei
betäuben wir, wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen
Schädel) versorgenden
Nerven
an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die Therapie durch tiefe
Infiltration der oft verspannten, an die
Halswirbelsäule
angrenzenden Muskulatur. Die Wirkungsweise dieser Therapie ist bei
Mig
räne
nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen
Umstimmung. Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt Procain das lang wirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden
zur Therapie einer Mig
räne:
Meist werden die folgenden
Methoden ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(= alleinige Therapie)
ist die Wirkung in der
Migränebehandlung
in der Regel nicht ausreichend.
- Eine der klassischen Indikationen für die
Akupunktur sind Kopfschme
rzen. Zur Therapie der Mig
ränekopfschmerzen dominieren Nadelpunkte auf dem
Gallenblasen-Meridian, so z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das
Lenkergefäß 25 in der Mitte der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986).
Es sei darauf hingewiesen, daß auch für die Therapie der Mig
räne mit
Schmerzakupunktur
(noch) keine wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
- Die transkutane Nervenstimulation mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) kann, wenn sie bei den
ersten Anzeichen einer
Migräneattacke
durchgeführt wird, durchaus eine Linderung der Beschwerden herbeiführen,
manchmal sogar den Ausbruch einer Attacke verhindern.
- Bei vielen Mig
räne-Patienten fällt auf, daß auch im
schmerzfreien Intervall die an die
Halswirbelsäule
angrenzende Muskulatur,
teilweise auch die
Schulter
muskulatur verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung
von physikalischen Therapiemaßnahmen (Fango, Kältebehandlung u.a.)
und Krankengymnastik als ergänzende Therapie bewährt.
- Manchmal kann auch durch eine manuelle Lymphdrainage im
Kopf
-/Halsbereich eine deutliche Linderung der
Migränekop
fschmerzen
erzielt werden.
- Zu erwähnen wäre bei Mig räne auch die Hydrotherapie in Form von Wechselbädern der
Extremitäten
(Arme
und
Beine)
und/ oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende
positive Effekt auf einer neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines
ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
- Bewährt hat sich bei Mig räne auch
Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
- Auch
psychologischen Interventionen
können eine Mig räne lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken, Streß- und/oder
Schmerzbewältigungstraining.
A 2
Spannungskopfschmerzen
(oft auch als
Kopfschmerz vom
Spannungstyp bezeichnet): Dieser Schmerz kann in zwei übergeordneten Formen auftreten:
- Chronische
(= länger als 3 Monate, je nach Definition auch 6 Monate
anhaltende) oder
- episodische
(= von Zeit zu Zeit, mit schmerzfreien Intervallen
auftretende) Spannungskop
fschmerzen
Der
Spannungskopfschmerz
von allen genannten Begriffen am wenigsten klar definiert. Der Begriff wird
deshalb oftmals als Verlegenheitsdiagnose verwendet. Die Symptomatologie
(= die verschiedenen Krankheitszeichen) wird in der Literatur nicht einheitlich angegeben. Nach Meyer
(1989) ist die Lokalisation der Kop fschmerzen wechselnd,
oft fronto/okzipital
(= im Stir
n/Hinterhaupt-Bereich auftretend),
Soyka (1989) dagegen gibt als Schwerpunkt die
Nac
ken- und
Hinterkopfregion an. Meist wird der Schmerzcharakter mit dumpf,
bohrend und spannend bezeichnet. In der Regel liegen die Beschwerden
beiderseits vor. Nach unseren Erfahrungen geben die betroffenen Patienten
häufig an, die Kop fschmerzen steigen
von der Hinterkopfregion auf und breiten sich dann diffus bis zu beiden
Augenhöhlen aus. In der Regel beginnen der
Ko
pfschmerz
vom Spannungstyp schleichend morgens und steigert sich dann im
Verlauf des Tages, meist den ganzen Tag anhaltend. Teilweise werden aber
auch im Tagesverlauf unterschiedlich lange anfallsartige
Schmerzverstärkungen angegeben, manchmal mit (milden) vegetativen Symptomen
(z.B. Übelkeit) einhergehend, so daß auch das Vorliegen von
Migränekopfschmerzen
in Frage kommt. Bei der Untersuchung ist die Hinterkopfregion beiderseits oft
druckschmerzhaft. Teilweise ist die Kalotte
(= der knöcherne Schädel)
klopfschmerzhaft. Sehr häufig finden sich im Halswirbelsäulenbereich
Muskelverspannungen, diese können auch bis zur Schultermuskulatur reichen. Fast alle Patienten mit
Spannungskopfschmerzen
geben an, daß Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit nachgelassen
hätten. Eine Unterteilung in "episodische
(= von Zeit zu Zeit auftretende)
Spannungskopfschmerz
en" und "chronische Spannun
gskopfschmerzen" erscheint nicht
sinnvoll, weil damit lediglich Verlaufsvarianten beschrieben werden, die
sich selbst bei gleichen Patienten häufig abwechseln können. Eine Verspannung der perikranialen (= den Schädel umgebenden)
Mus
kulatur, wie es dieser Kopfschmerzbegriff
vermuten läßt, ist nicht zwingend. Psychische Überlagerung, vor allem in
Form von depressiver Verstimmung und/oder psychovegetativer Labilität ist
häufig. In der Regel dominiert die pflichtbewußte und leistungsorientierte
Persönlichkeit.
Zur Differentialdiagnose von Kop
fschmerzen (=
zum Herausfinden um welche
Kopfschmerzform
es sich handelt) eignen sich
Nervenblockaden
(= Nervenbetäubungen). Während
einer regelrechten Blockade der Ner
ven supraorbitales, occipitales
majores und minores sowie auriculotemporales (infiltrativ im
Schläfenbereich) bleiben i.d.R. Kop fschmerzen vom
Spannun
gstyp weg, nicht aber ein
vasomotorischer
Kopfschmerz
(= von Blutgefäßen ausgehende)
oder
posttraumatischer
Kopfschmerz
(= nach Verletzungen
auftretende Kop fschmerz),
sofern diese auf meningeale
(= hirnhautbedingte) Störungen
zurückzuführen sind.
A 3 Trigeminoautonome Kop
fschmerzen
a)
Cluster-Kopfschmerz
(Cluster-Headache):
Synonyme
(= weitere Bezeichnungen)
für diese eigenständige, von der Mig
räne und der
Trigeminusneuralgie abzugrenzende Kopfschmerzart sind:
Erythroprosopalgie,
Bing-Horton-Kopfschmerz,
zil
iare
Neuralgie
und N. petrosus-
Neuralgie. Die Krankheitsursache ist unbekannt. Hauptsymptom
(=
vorherrschendes Krankheitszeichen)
beim
Clusterkopfschmerz
ist der streng einseitig, in aller Regel periorbital
(= um das Auge herum)
oder frontotemporal
(=
Stirn-/Schläfenbereich
betreffend) in Attacken und
vorwiegend nachts auftretende
Schmerz von
unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen
Stunden. Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend
angegeben. Typischerweise, jedoch nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und
Rötung des schmerzseitigen Auges, evtl. begleitet von Engstellung der
Pupille und Verengung der Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) sowie
Nasenträufeln als Begleiterscheinungen. Manchmal treten bei
Clusterschmerzen
auch Übelkeit und Brechreiz auf, was zu Verwechslungen mit der Mig
räne führen kann. Im Gegensatz zu Migränepatienten sind Patienten während einer
Clusterattacke
eher unruhig und laufen während dem
Clusteranfall
umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt als bei Migränikern. Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme Schmerzintensität können
zur Verwechslung mit der
Trigeminus-Neuralgie
Anlaß geben. Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B.
Flimmer- und Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, Histamin und
Nitroglyzerin, öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin
(in Form von Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als
Provokationstest, um die Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu
können.
Therapie beim
Clusterkopfschmerz:
Ein statistischer Erfolgsvergleich unterschiedlicher Therapiemaßnahmen
wird durch die Tatsache erschwert, daß der
Clusterkopfschmerz
meist schubartig verläuft, d.h. monatelange, in Ausnahmefällen sogar
jahrelange schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese Kopfschmerzform. Wie
bei den anderen
pri
mären
(= nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende)
Kop
fschmerzen
ist es auch bei
Clusterkopfschmerzen
oftmals erforderlich, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten
nacheinander auszutesten, um die optimale herauszufinden.
Therapie akuter
Cluster-Schmerzen:
Wegen der häufig kurzzeitigen
Attackendauer kommen meist nur solche Methoden zur Anwendung, die innerhalb
weniger Minuten wirken können. Orale
(= Tabletten, Tropfen) und rektale (= Zäpfchen) Verabreichung von
z.B. Ergotam
in ist daher nur bei längerer
Anfallsdauer sinnvoll. Die Einatmung von reinem Sauerstoff über Maske
ist eine bewährte Methode zur Kupierung des Anfalls. Die Verabreichung über
eine Nasensonde ist meist nicht ausreichend. Diese Methode hat den Vorteil,
daß entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch auf Kosten der
Krankenkassen verordnet werden können. Im Gegensatz zur akuten Mig räneattacke spricht ein akuter
Clusterschmerz
in der Regel auf die
therapeutische Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) an. Bewährt
hat sich die Betäubung der schmerzseitigen Ner
ven supraorbitalis (ca. 1 ml),
supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die
großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im
Stirn - /
Schläfenbereich.
Bei Schmerzausstrahlungen in den
Oberkiefer muß
der Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
der ersten Wahl ist bei uns das lang wirkende Bupivacain 0,5% (z.B.
Carbostesin®). In hartnäckigen Fällen führen wir diese Therapie mit gutem
Erfolg konsequent 2 bis 3 mal täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch
nur unter stationären Bedingungen durchführbar ist. Auch wiederholte
Betäubungen des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative
Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
oder cervicale superius
(= eine vegetative
Schaltstelle im hinteren
Rachen)
mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel können bei
Clusterkopfschmerzen
sehr hilfreich sein. Empfohlen wird auch eine nasale Instillation
(= in die Nase eingebracht)
von 1 ml 4%iges Lidocain (Xylocain®)
(= ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
bei 45 Grad rekliniertem und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem Kop f (Pfaffenrath 1988). Wirksam ist bei Clus
ter-
Kop
fschmerzen auch Ergotam
in.
Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ergotaminbedingte
Dauerkopfschmerzen
ausbilden können. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®). Das
Migränemittel Sumatriptan (Imigran®, bzw. auch andere Triptane) ist auch bei
Cluster Headache
sehr wirksam, insbesondere unter die Haut gespritzt (6 mg)(auch mit
Autoinjektor vom Patienten selbst injizierbar), ansonsten 100mg oral
(= durch den Mund).
Bei Wiederauftreten von
Schmerz en maximal zwei
Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende
Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der
Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und
Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane)
allerdings bei
Kopfschmerz
en
erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten
Erfolg bringen.
Prophy
laxe (= Vor
beugung)
der Clus
ter-
Kop
fschmerzen:
- Als Mittel der Wahl gilt der Calcium-Antagonist Verapamil
(z.B. Isoptin®). Dosierung: bis zu 3-4x 80 mg pro Tag, in der ersten Woche
einschleichend. Der Wirkungsmechanismus von Verapamil bei Clus
ter-
Kop
fschmerzen
ist unbekannt.
In hartnäckigen Fällen wird Verapamil bei Clus
ter-Kop fschmerzen
mit gutem Erfolg sehr viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag (und mehr), initial
(= zu Anfang)
unter ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle.
- Als Mittel der 2. Wahl kann bei Clus
terkop
fschmerzen
Lithium empfohlen werden (z.B. Hypnorex®, Quilonum®). Lithium soll
bereits unterhalb des empfohlenen Serumspiegels bei Clus
ter-
Kop
fschmerzen
wirksam sein.
- In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des
therapeutischen Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine
Kortikoid-Therapie versucht werden, z.B. mit Prednisolon®. Empfohlene
Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5- 8 Tag 70mg, dann jeweils nach 4 Tagen die
Dosierung um weitere 10mg reduzieren.
- Der Serotonin-Antagonist Methysergid (Deseril ret.®)
(= ein Mittel, das dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt) kann auch zur
Schmerzprophylaxe
eines Clusters verwendet werden.
- Teilweise wird empfohlen, zur Prophy
laxe von Clus
terkop
fschmerzen
regelmäßig täglich Ergota
min zu verabreichen. Wegen der
Gewöhnungsgefahr und der hohen Wahrscheinlichkeit, damit den gefürchteten
Ergotamin-Kopfschmerz
zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden.
Zur Prop
hylaxe der Clus
ter-
Kop
fschmerzen
hat sich bei uns auch die wiederholte therapeutischen Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) wie bei der
Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen
Hinterkopfregion
Schmerzen
angegeben; in diesem Fall blockieren
(= betäuben)
wir dann auch die
Nerven
occipitales major und minor. Optimal ist diese Therapie unter stationären
Bedingungen, weil dann diese Therapie konsequent 2x täglich, auch an
Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann.
Unter dieser Therapie fallen in der Regel die
Kopfschmerzattacken
zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei
Clus
ter-
Kop fschmerzen:
Anders als z.B. bei der Mig
räne spielen bei Clus
ter-
Kop
fschmerzen
psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur
allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. ein
Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben bei Clus
ter-
Kop
fschmerzen
nur selten einen positiven Effekt.
b)
Paroxysmale Hemikranie
(CPH):
Diese Erkrankung wurde erstmals 1974
beschrieben.Charakteristische Merkmale sind streng einseitig auftretende
Kopfschmerzanfälle
hauptsächlich im orbitalen
(= die Augenhöhle
betreffend), supraorbitalen
(= die Sti
rn betreffend) und/oder
temporalen (= die
Schlä
fe betreffend) Bereich und
einer Dauer von 2 bis 45 Minuten. Die
Schmerzanfälle
treten mindestens 5 mal pro Tag auf. Als Mittel der Wahl gilt auch hier
Indometacin (z.B. Indometacin-Ratio®), alternativ soll das
Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin hilfreich sein.
c) Zu erwähnen wäre noch das seltene
SUNCT-Syndrom. Dabei kommt es zu 15 bis 120 Sekunden lang anhaltenden,
einseitigen Sch
merzattacken um das Auge herum,
begleitet von konjunktivaler Injektion
(= Sichtbarwerden feiner Blutgefäße im Auge als Folge von Blutfülle),
Lakrimation (= Tränenfluß) und
Nasenträufeln. Zusätzlich besteht ein gleichseitiges Gesichtschwitzen, das
aber meist nur gering ausgeprägt ist.
A 4 Andere
pri
märe
Ko
pfschmerz
en
- Unter diesem Begriff fassen wir scheinbar eigenständige Kop
fschmerzbilder wie ver
tebragener oder
zervikogener
Ko
pfschmerz
(= von der
Halswirbelsäule ausgehender Kop
fschmerz)
oder auch sog. neu aufgetretene Dauerkopfschmerzen, Ans
trengungs-Kop
fschmerzen,
Okzipitalisneuralgie
(=
Nervenschmerz
im Bereich des Hinterkopfes) oder
Hemicrania continua
(= anhaltender
Halbseitenkopfschmerz)
zusammen.
Allen Formen gemeinsam ist die sehr variablen Krankheitszeichen, so daß eine
eindeutige Diagnosezuordnung in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen,
willkürlich ist. Oftmals ist nicht einmal eine sichere Abgrenzung gegen
Migräne
- oder vasomotorische
Ko
pfschmerz
en (= von
Blutgefäßen ausgehende Kop
fschmerzen)
möglich.
Hemicrania continua
(anhaltende
Halbseitenkopfschmerzen):
Diese Kopfschmerzart soll
stets einseitig und seitenkonstant als
Dauerkopfschmerzen
auftreten. Differentialdiagnostisch (= um herauszufinden um welche Kopfschmerzform es sich
handelt) zu verwerten ist, daß
diese Beschwerden nur auf
Indometacin (z.B. Indomet ratiopharm®) ansprechen (Sjastaad
1984). Vermutlich handelt es sich hierbei ebenfalls um einen
Ko
pfschmerz
vom Span
nungstyp, allerdings halbseitig auftretend.
Neu aufgetretene
Dauerkopfschmerzen
(engl.: new daily persistent headache): Unter dieser Kopfschmerzform leiden etwa 0,2 der Bevölkerung. Die Abgrenzung vom (chronischen) Spannungskopfschmerz ist schwierig und auch
nicht unumstritten. Auch bei diesem
Ko
pfschmerz
können milde migräneartige Begleiterscheinungen auftreten, so. z. B. Photo-
und Phonophobie (= Licht- und Geräuschempfindlichkeit)
oder auch Übelkeit, allerdings kein (regelmäßiges) Erbrechen. Neu
aufgetretene Kop
fschmerzen weisen mindestens zwei der
folgenden Eigenschaften auf:
- beidseitige
Lokalisation
- drückend oder
einengend, nicht pulsierende Schmerzqualität
- leichte bis
mittelschwere Schmerzintensität
- keine
Schmerzverstärkung durch körperliche Routineaktivität wie z.B. Gehen oder
Treppensteigen
Ursächlich ist häufig eine
vorausgegangene Infektion
(= Eindringen von
Mikroorganismen, z.B. Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten in den Mensch, wo
sie haften bleiben und sich vermehren
-n. Roche-). Schon in den ersten Beschreibungen wurde auf einen Zusammenhang mit
Virusinfekten hingewiesen (Vanast et al. 1987).
Die Kopfschmerzbehandlung
erfolgt wie bei Span
nungskopfsch merzen.
Zervikogener
Ko
pfschmerz
(vertebragener
Ko
pfschmerz):
Der Unterschied zu Kop
fschmerzen vom Spannun
gstyp dürfte nur darin bestehen, daß
mit dem Begriff "ve
rtebragen"
(= wirbelsäulenbedingt)
lediglich auf eine mögliche Ursache bzw. einen Zusammenhang hingewiesen
wird. Die Schmerzausstrahlung verläuft vom
Nacken
aufsteigend zur
Stirn hin,
nicht selten tritt gleichzeitig ein
Nacken-Schulter-Arm-Syndrom auf.
Occipitaneuralg
ie:
Die
pri
märe, idiopath
ische
(= als eigenständige Erkrankung auftretende)
Okzipitalisneuralgie
ist selten. Es treten einseitig einschießende Kop fschmerzen im
Versorgungsgebiet des N. occipitalis major auf (Hinterkopf
bis Scheitelhöhe). Die Diagnose einer
Okzipitalisneuralgie
wird durch eine probatorische
(= zur Klärung der Diagnose durchgeführte)
Nervenblockade
mit z.B. 1-3 ml Mepivacain (z.B. Scandicain®1%)
(= mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
gesichert. Wie bei der
Trigeminusneuralgie liegt häufiger eine atypische Form vor,
gekennzeichnet durch meist einseitig auftretende Kop
fschmerzen und längerfristige
Schmerzepisoden bis hin zu
Dauerschmerzen.
Raeder-Syndrom: Diese
Kop
fschmerzen
sind im Versorgungsgebiet des Nervus ophthalmicus
(= oberer Gesichtsnerv)
lokalisiert. Die Symptomatik ist den
Clusterkopfschmerzen
ähnlich.
Neck-tongue-Syndrom
(Nacken-Zungen-Syndrom): Diese
Kop
fschmerzen
treten attackenartig einseitig hinterkopfbetont auf und sind von einer
unangenehmen
Hypästhesie
(= herabgesetzte Empfindlichkeit)
der gleichseitigen
Zunge nhälfte begleitet. Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige
Ausrenkung) des
Atlanto-Axial-Gelenkes
(= das untere Kopfgelenk zwischen dem 1. u. dem 2.Halswirbel, ermöglicht
Drehbewegungen des Kopfes)
vermutet (Bogduk 1981). Zur Behand
lung eignet sich eine engmaschige
Blockadeserie des Ganglion cervicale superius
(= eine vegetative Schaltstelle, paarig im hinteren
Rachenbereich).
Kopfschmerztherapie:
Die Schwierigkeit genereller
Therapieempfehlungen liegt darin, daß
Kop
fschmerzen
in allen möglichen Variationen
auftreten, sowohl hinsichtlich der Intensität als auch der Periodizität
(= zeitliches Auftreten). Die Kop
fschmerz
-Charakteristika sind nicht nur von Patient zu Patient verschieden,
sondern können sich auch im Verlauf der Erkrankung beim selben Patienten
ändern, so daß dann jeweils die aktuelle Therapie angepaßt werden muß. Hinzu
kommt, daß die verschiedensten Behandlungsmaßnahmen sehr unterschiedlich
wirken können. Was bei einem Patienten wirksam ist, muß dem anderen noch
lange nicht helfen, auch wenn scheinbar Diagnose und Symptomatik
(= Krankheitszeichen)
übereinstimmen. Letztlich gilt es also, für jeden Patienten eine optimale
individuelle Therapie zu erarbeiten, was sehr zeitaufwendig sein kann.
Medikamentöse
Kopfschmerzbehandlung:
Die Therapie der
pri
mären
(= nicht auf eine sonstige Krankheit zurückzuführenden)
Kop
fschmerzen
mit
Medikamenten ist und bleibt angesichts mangelnder kausaler
(= ursächlicher) Therapiemöglichkeiten eine Notlösung, weshalb im Hinblick auf die
Nutzen-Risiko-Relation die Arzneimittelverordnung ständig überprüft und der
aktuellen Leidenssituation des Patienten angepaßt werden muß. Genaue Kenntnisse über Nebenwirkungen und Kontraindikationen
(= Gegenanzeigen)
sind für eine optimale Therapie unabdingbare Voraussetzungen. Grundsätzlich
gilt, daß
Schmerzmittel möglichst nicht auf Dauer verabreicht werden sollen. Die
Gefahr einer Gewöhnung oder gar Abhängigkeit wird durch Verordnung von
Kombinationspräparaten noch gefördert. Besonders gefürchtete Beimischungen
sind Barbiturate, Kodein und Ergota
min.
Akuttherapie:
Für die Therapie
pri
märer
(= nicht auf eine
sonstige Krankheit zurückzuführende)
Kop
fschmerzen
haben sich folgende Analgetika
(=
Schmerzmittel) bewährt:
Acetylsalicylsäure (z.B. ASS-ratiopharm®, Aspirin®), Paracetamol (z.B.
ben-u-ron®) und sog. nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Ibuprofen (z.B.
Brufen®, Dolgit®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind
die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder
Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem
Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer
Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch
noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe
zuvor. Zusätzlich kann die Gabe eines zentralen Muskelrelaxans
(= ein Mittel zur
Muskelentspannung), z.B. Baclofen
(z.B. Lioresal®) hilfreich sein. Akute Spannun
gskop fschmerzen sprechen auch auf
Ergotamingabe an. Hinsichtlich der Verordnungshäufigkeit bestehen aber
die gleichen Bedenken wie bei der
Migränebehandlung.
Bei unzureichender Wirkung von Acetylsalicylsäure oder Paracetamol kann auch
Metamizol (Baralgin®, Novalgin®) versucht werden. Die i.v. Applikation
(= in eine
Blutader verabreicht) (langsam)
führt zu einem schnellen Wirkungseintritt. In seltenen Fällen kann
allerdings die gefürchtete Agranulozytose
(= Zerstörung bestimmter Blutzellen)
auftreten. Alternativ kommt aus der Gruppe der zentral wirksamen
(= im Rückenmark bzw.
Gehirn wirkenden) Schmerzmittel
bei Kop
fschmerzen
vom Spannun
gstyp noch Tramadol (Tramal®) in Frage, evtl. in Kombination mit einem
peripher (=
direkt im Schmerzbereich)
wirkenden Schmerzmittel. Tilidin, selbst in Verbindung mit Naloxon (Valoron
N®) hat nach unseren Erfahrungen immer noch ein gewisses Suchtpotential.
Eine Entwöhnung bzw. ein
Entzug ist
manchmal sehr schwierig. Opioide oder Opiate
(= morphinähnliche Schmerzmittel)
sollten eher zurückhaltend verordnet werden. Oftmals kann mit der
therapeutischen Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
in Form von
Nervenblockaden
(= Nervenbetäubungen)
und Infiltrationen dominanter Schmerzareale prompt Schmerzfreiheit erzielt
werden. Nicht selten ist zu beobachten, daß auch bei einmaliger Anwendung
die Wirkung deutlich über die Wirkdauer des verwendeten örtlichen
Betäubungsmittels hinaus anhält.
Therapie subakuter oder chron
ische
r Kop fschmerzen:
Zur Therapie subakuter
(= eher mäßiger) oder chron ische
r
Kop
fschmerzen
haben sich verschiedene
psychotrope Substanzen (= Mittel, die auf die Psyche einwirken bzw. zu einer
Schmerzdistanzierung führen)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) sehr bewährt. Primär kommen sie dabei wegen ihrer
schmerzdistanzierenden Wirkung zur Anwendung. Maprotilin (z.B. Ludiomil®)
kommt bei uns am häufigsten zur Anwendung und ist wegen der ausgeprägten
dämpfenden Wirkung besonders für unruhige Patienten geeignet. Amitriptylin
(z.B. Saroten®) ist stärker stimmungsaufhellend und mäßig dämpfend.
Amitriptylinoxid (Equilibrin®) ist eine biochemische Vorstufe des
Amitriptylins und gilt als besser verträglich. Doxepin (z.B. Aponal®,
Sinquan®) eignet sich zur vegetativen Harmonisierung, wirkt ausgesprochen
depressionslösend und dämpfend. Diese Substanz eignet sich auch zur
Abschirmung eines Arzneimittelentzuges. Die Dosierung erfolgt generell
einschleichend. Die genannten tri- und tetrazyklischen Antidepressiva
(= Mittel gegen Depressionen)
können auch im Sinne einer Spannun
gskopfschmerz -Prop
hylaxe
(= Vorbeugung)
eingesetzt werden. Oftmals behalten wir diese Medikation nach einer
erfolgreichen Therapie für weitere 2-3 Monate bei, allerdings in reduzierter
Dosierung (z.B. nur abends). In hartnäckigen Fällen hat sich die zusätzliche, niedrig bis mittel dosierte
Verabreichung eines
Neuroleptikum
s
(= Mittel zur
Beeinflussung der Psyche)
bewährt. Wir bevorzugen Levomepromazin (Neurocil®) in der Dosierung 3x3-15
Trpf. Levomepromazin wirkt psychomotorisch
(= hinsichtlich Psyche und Bewegungsabläufe)
stark dämpfend, so daß es in Kombination besonders mit dem ähnlich wirkenden
Maprotilin vorsichtig dosiert werden muß.
Die Wirksamkeit von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirken)
wie Methysergid (Deseril®), Lisurid (Cuvalit®) und Pizotifen Sandomigran®,
Mosegor®) ist bei
Kop
fschmerzen
vom Spannun
gstyp durch Studien bisher nicht belegt. Auch die Wirksamkeit der
Beta-Blocker (=
blutdrucksenkende Mittel, aber auch nachgewiesen hilfreich bei Mig
räne)
wie z.B. Propanolol (z.B. Dociton®) und Metoprolol (z.B. Beloc®) ist bei Kop
fschmerzen vom Spann
ungstyp wissenschaftlich bisher nicht
eindeutig nachgewiesen, sie können dennoch versucht werden. Besonders bei Vorliegen einer "migränoiden" Begleitsymptomatik
(= z.B. Übelkeit, Licht-
und Lärmempfindlichkeit) ist als
letzter Therapieversuch auch der Einsatz von Triptane denkbar. Zur Therapie der
Occipitalneuragie
eignen sich Antikonvulsiva
(= Mittel gegen die Fallsucht)
so z.B. Carbamazepin (z.B. Tegretal®). Oft besser wirksam sind aus dieser
Gruppe Gabapentin (Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), aber auch
erheblich teurer. Das Mittel der Wahl bei
Hemicrania
continua
(= anhaltender
Halbseitenkopfschmerz)
und bei der paroxysmalen
Hemikranie ist
Indometacin (z.B. Indometacin-hexal®).
Therapeutische Lokalanästhesie bei
chron
ische
n Kop fschmerzen:
Die Therapie mit lang wirkenden
Lokalanästhetika
(= örtliche
Betäubungsmittel) (Bupivacain,
Etidocain) hat sich in der Therapie
pri
märer
(= nicht auf eine sonstige
Krankheit zurückzuführende) Kop
fschmerzen
sowohl bei akuten als auch bei subakuten oder chron
ische
n Schmerzzuständen bei uns bewährt (Leser
et Hefermann,
Schmerzklinik Bad Mergentheim
1990). Dabei werden
(stationär 1 bis 2 mal täglich) alle Ner
ven, die an der sensiblen Versorgung
des Schmerzbereichs beteiligt sind, an ihrem Austrittspunkt mit 1-2 ml
blockiert. Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis-
Region (= Schläfengegend) und
korrespondierende Triggerpunkte
(= Schmerzreizpunkte) infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(= von Mus
keln und deren
Gewebsumhüllung ausgehende)
Triggerpunkte. Bei hinterkopfbetonten Schmerzbildern, auch mit mehr oder weniger deutlicher
Beteiligung der Halswirbelsäule, führen wir in gleicher
Sitzung tiefe Infiltrationen der angrenzenden Mus
kulatur mit insgesamt etwa 4- 6 ml
durch. Bei chron
ische
n, halbseitigen
Kop
fschmerzen
vom Spannun
gstyp ist auch die wiederholte Betäubung des
Ganglion stellatum
(= vegetative Schaltstelle
im seitlichen Halsbereich) mit
einem lang wirkenden Lokalanästhetikum hilfreich. Im chron
ischen Stadium, aber auch bei
episodische
n (= von
Zeit zu Zeit auftretenden)
Kop
fschmerzen
vom Spannun
gstyp, wenn die schmerzfreien Intervalle nicht zu lange anhalten (z.B.
nicht mehr als 1 Woche), ist diese Therapie um so wirkungsvoller, je
häufiger sie angewendet wird. Als optimal erwiesen sich zwei Sitzungen pro
Tag über einen Zeitraum von ca. 10-20 Tagen, was in der Regel allerdings
organisatorisch meist nur stationär möglich ist. Nicht selten kann eine
anhaltende deutliche Schmerzlinderung, oft auch Schmerzfreiheit, manchmal
sogar schon nach wenigen Sitzungen erreicht werden. Unter einer solchen
intensiven therapeutischen Lokalanästhesie kann in der Regel auch ein
Schmerzmittelentzug erfolgreich durchgeführt werden, sofern das Abusus-
(= Mißbrauch-)
oder Abhängigkeitsverhalten tatsächlich auf eine Schmerzbelastung und nicht
etwa auf ein psychisches Suchtpotential zurückzuführen ist.
Nichtmedikamentöse Therapie chron
ischer Kop fschmerzen:
Wie bei der
Migränebehandlung
werden die folgenden Methoden vorwiegend ergänzend eingesetzt, teilweise
sind sie aber auch unverzichtbare Bestandteile der Gesamttherapie.
- Bei der Punkteauswahl zur
Akupunktur dominiert das Lenkergefäß, ein Meridian, der hinter dem
After beginnt
und sich über die Spitze der Dornfortsätze der
Wirbelsäule,
über die Schädelmitte bis zur Oberlippe erstreckt. Empfohlen werden
hauptsächlich die Punkte 19, 23 und 25; zusätzlich Punkte des
Gallenblasen-Meridians im Kopfbereich, so z.B. 3 und 20 (Kossmann et
al. 1986).
- Auch die transkutane Nervenstimulation mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat sich bei
Kop
fschmerzen
bewährt. Mit dieser Methode lassen sich häufig Schmerzm
ittel einsparen, oftmals kann auf
zusätzliche Schmerzmitteleinnahme sogar verzichtet werden.
- Wenn Kop
fschmerzen
mit Störungen im Bereich der Halswir
belsäule einhergehen, ist in der
Regel die Verordnung von physikalischen Therapiemaßnahmen (Fango,
Wärmeapplikationen usw.) sowie Krankengymnastik hilfreich. Besonders zu
empfehlen sind Autoelongationsübungen.
- Manchmal kann auch durch eine manuelle Lymphdrainage im Kop
f-/Halsbereich eine deutliche
Verbesserung erzielt werden.
- Bewährt hat sich auch die wiederholte oberflächliche Kältebehandlung
im Nack
en- /
HWS
-Bereich, evtl. auch unter Einschluß der angrenzenden
Schultermuskulatur.
- Im Rahmen einer Kurmaßnahme ist bei
Kop
fschmerzen
auch eine Hydrotherapie in Form von Wechselbädern und / oder
Kneippschen Güssen empfehlenswert.
- Auch
Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale)
kann hilfreich sein.
- Auch bei chron
ischen
Kop
fschmerzen
hat sich die Vermittlung von Entspannungstechniken (Progressive
Relaxation nach Jacobson, Autogenes Training) sehr bewährt. Bei
streßinduzierten Kop fschmerzen ist ein
Streßbewältigungstraining hilfreich.
B
Sekundärer Kopfschmerz ( symp
tomatischer Kopfschmerz):
Die schematische Gliederung der möglichen
Ursachen orientiert sich der besseren Übersicht wegen im folgenden am
Symptom "Kop
fschmerzen".
B1 Kop
fschmerzen
als (zunächst) einziges Symptom: Diese Gruppe umfaßt mögliche Ursachen, bei denen typischerweise
Kop
fschmerzen
überhaupt oder zunächst als einziges Krankheitszeichen auftreten. Differentialdiagnostisch (= zur Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen)
wichtig innerhalb dieser Gruppe: "Psychogene"
Kop
fschmerzen. Nach
Soyka (1989) gibt es kein spezifisch psychogenes
(= rein psychisch bedingtes)
Kopfschmerzsyndrom.
Das "Ad-Hoc-Commitee" definierte die "psychogenen"
Kop
fschmerzen
als halluzinatorische Sinnestäuschung oder Ausdruck einer Konversionsneurose
ohne peripheren Schmerzmechanismus. Die Kritik an dieser Definition setzt
bei letztgenanntem Kriterium ein, gibt es doch
pri
märe
Kop fschmerzen, bei denen
auch kein peripherer Schmerzmechanismus bekannt ist. Insgesamt gesehen
dürften rein psychogen verursachte
Kop
fschmerzen
relativ selten sein, wenngleich wir ihn in der Klinik recht häufig sehen
(ca. 3-4% aller Patienten mit chron
ischen Kop
fschmerzen).
Dies ist jedoch darauf zurückzuführen, daß sich in einer
Schmerzklinik
naturgemäß Patienten mit therapieresistenten
Kop
fschmerzen
häufen.
B2 Kop
fschmerzen
als Begleitsymptom
(= zusätzlich auftretendes
Krankheitszeichen): Neben
Kop
fschmerzen
sind in der Regel weitere Symptome für die exakte Diagnose richtungsweisend.
Die Kenntnis der möglichen Krankheitsbilder ist allerdings wichtig, da
manchmal auch in untypischer Weise
Kop
fschmerzen
als zunächst einziges Symptom auftreten können. Außerdem gilt es, andere
Begleitsymptome nicht zu übersehen.
B2.1
Arteriitis temporalis (= En
tzündung der Schläfenschlagader)
(auch als
Arteriitis cranialis
oder
Arteriitis granulomatosa
bezeichnet): Ursache ist die
Riesenzellenarteriitis
(Riesenzellarteriitis),
die vorwiegend neben der A.
temporal
is
(= Schlagader an der Schläfe)
auch die A. carotis externa
(= äußere Halsschlagader) und die
A. centralis retinae
(= Schlagader im Auge)
befallen kann. Die anhaltend bohrende, in ihrer Intensität wechselnde Kop
fschmerzen, hauptsächlich im
Schläfenbereich, treten meist im Rahmen eines allgemeinen Krankheitsgefühls
auf. Häufig bestehen auch
Muskel-
und
Gelenkschmerzen.Anhaltende
Schläfenschmerzen
sprechen relativ gut auf wiederholte Infiltrationen im Ausbreitungsgebiet
des N. auriculotemporalis mit lang wirkenden Lokalanästhetika
(= örtlichen
Betäubungsmittel) an. Bei Befall der Kaumuskulatur tritt die typische
Claudicatio mastica
toria (= Kaumuskelschwäche) auf. Die Blutsenkung ist regelmäßig stark erhöht. Schon der Verdacht auf eine
Ar
teriitis temporalis zwingt wegen der Gefahr der Erblindung (Befall der A. centralis retinae)
zur sofortigen Kortisonbehandlung. Der Nachweis der Krankheit erfolgt
histologisch (=
durch Gewebeuntersuchungen).
B2.2 Folgende internistische
Krankheiten können, wenn auch relativ selten, mit Kop
fschmerzen einhergehen:
Schilddrüsendysfunktion,
Nebenniereninsuffizienz, Hypoglykämie,
Hyperparathyreoidismus, Hypophysenadenom, Anämie
(= Blutarmut), Panzytopathien,
Leukämien,
Angina pectoris, Aorteninsuffizienz.
B2.3 Exogene Intoxikationen
(= durch äußere
Ursache entstandene Vergiftungen)
(Soyka 1980): Eine Vielzahl von Noxen
(= schädliche Substanzen) kann
Kop
fschmerzen
auslösen. Manche Autoren (z.B. Bing 1948) bezeichnen dieses
Schmerzbild als
vasomotorischer Kopfschmerz
(= von den Blutgefäßen ausgehende Kop
fschmerz).
Die Schmerzsensationen nehmen meist innerhalb von Stunden zu, der
Schmerzcharakter wird oft als dumpf, bohrend und pulsierend angegeben.
Häufige Lokalisation: hinter den Augen, an St
irn, Sch
läfen und ringförmig um den ganzen Schädel. Die Schmerzdauer hängt von
der Dauer der Exposition
(= Zeitdauer der Gifteinwirkung) ab. Häufig liegt auch eine Mitbeteiligung des autonomen
(= unwillkürlichen)
Nervensystems in Form von Herzsensationen, Hyperhidrosis
(= starkes Schwitzen)
oder Schwindelgefühl vor. Die Vorgeschichte zeigt häufige Wiederholung des
Beschwerdebildes.
Medikamente.
Bei dieser Gruppe treten
Kop
fschmerzen
als Begleitsymptom oft schon in therapeutischer Dosierung auf, so daß man
dann allenfalls von einer relativen Intoxikation
(= Vergiftung) sprechen kann. Folgende Wirkstoffe sind besonders zu erwähnen: Tetrazykline, Nitroglyzerin,
Nalidixinsäure und Indometacin. Nicht selten klagen Frauen über Kop
fschmerzen bei gleichzeitiger Kontrazeptiva-Medikation
(= Antibabypille).
Vitamin A -Überdosierung, oft als Folge einer Selbstbehandlung, ist
ebenfalls zu erwähnen. Auch
Schmerzmittelmißbrauch
kann auf Dauer zu einem Kop fschmerz (Schmerzmittel-Kopfschmerz,
Analgitika-Kopfschmerz)
führen. Häufig werden sogenannte "rezeptfreie"
Schmerzmittel im Rahmen einer Selbstbehandlung bevorzugt. Verstärkend
wirken
Tranquilizer
(= Mittel zur Beruhigung) oder
barbiturathaltige Arzneimittel. Die sog. kritische kumulative Wochendosis (= Menge die sich in einer Woche anhäuft),
bei deren Überschreiten die Ausbildung eines durch Medikamente
hervorgerufenen Kopfschmerzes droht, beträgt für Koffein 340 mg, Barbiturate
210 mg, Paracetamol 1875 mg, Pyrazolonderivate 1025 mg, Codein 60 mg und für
ASS (= bekannt
als Aspirin) 1750 mg (Diener
1993). Es ist zu bedenken, daß sich hinter der Diagnose "Schmerzmittelkopfschmerzen" auch eine
Migräne, Kop
fschmerzen vom Spannungstyp oder sogar
Kombinationskopfschmerzen
verbergen können. Der
Entzug von
Schmerzmittel
verursacht häufig die typischen
Entzugskopfschmerzen,
die etwa zwischen 3 und 10 Tagen anhalten. Meist bestehen vegetative
Begleitsymptome wie Schwindel, Übelkeit, Schlaflosigkeit, aber auch innere
Unruhe. Auffallend ist, daß Schmerzm
ittelkop
fschmerzen
ungleich häufiger bei Patienten auftreten, bei denen die ursprüngliche
Schmerzquelle, wegen der Schmerzmittel überhaupt eingenommen wurden,
ebenfalls Kop
fschmerzen
sind. Diese Beobachtung läßt vermuten, daß Patienten mit chron
ischen
Kop
fschmerzen
hinsichtlich der Ausbildung eines Schmerzm
ittelkopfschmerzes deutlich
empfindlicher reagieren als Patienten, die wegen anderer, nicht im Kop f
lokalisierter, chronischer
Schmerzsyndrome
einen
Schmerzmittelabusus
betreiben. Ähnliches gilt auch für die
Analget
ikaen
tzugskop
fschmerzen. Diese sehen wir hauptsächlich bei Patienten mit
vorbestehenden, chronische
n
Kop
fschmerzen.
Ergotaminmißbrauch
führt ebenfalls zu
Dauerkopfschmerzen,
die sich bei Migränikern dem ursprünglichen Schmerzbild aufpfropfen, wodurch
Kombinationskopfschmerzen
entstehen. Die sog. kritische kumulative Wochendosis
(= Menge die sich in einer Woche anhäuft)
liegt für Ergotamintartrat bei 5 mg und für Dihydroergotamin bei 7 mg (Diener
1994). Der
Entzug von
Ergotam
in verursacht analog zum
Schmerzmittel-Entzug
ebenfalls Beschwerden, vor allem aber treten in dieser Phase heftigste
Migräneattacken
gehäuft auf.
B2.4
Posttraumatischer
Kopfschmerz: Die sogenannten posttrau
matischen
(= nach einer Verletzung auftretenden)
Kop
fschmerzen
können prinzipiell nach jeder Verletzung im Kop
f-/Nackenbereich auftreten. Weder die Art der Verletzung noch das Ausmaß
der Gewebsdestruktionen korrelieren mit der Intensität und der Dauer dieser
Kop
fschmerzen.
So kann ein vergleichsweise harmloses
Schleudertrauma
(Beschleunigungstrauma,
Beschleunigungsverletzung)
ohne objektivierbare krankhafte Veränderung zu heftigsten
Kop
fschmerzen
führen, während Patienten mit einem ausgedehnten Schädelbasisbruch nach
Ausheilung völlig kopfschmerzfrei sein können. Hinsichtlich Intensität,
Periodizität (= zeitliches Auftreten) und Lokalisation
(= Ort an dem die Schmerzen empfunden werden)
gibt es ebenfalls keine Gesetzmäßigkeiten. Die posttraumatischen Kop
fschmerzen können sowohl als
Ko
pfschmerz
vom Spannungstyp als auch als
Migränekopfschmerz
oder gemischt, im Bereich der
Stirn und/ oder
am
Hinterhaupt
betont, auftreten. Häufiger sehen wir Patienten, die typische Symptome eines
Kopfschmerzes vom Spannun
gstyp angeben, der aber während einer
örtlichen Betäubung der den Schädel versorgenden Ner
ven nicht wegbleibt. In diesen Fällen
muß angenommen werden, daß die Störung von den Hirnhäuten ausgeht, da das
Hirngewebe ja schmerzunempfindlich ist. Besonders ein längerer,
verletzungsbedingter Leidensweg kann die Ausbildung einer psychischen
Überlagerung (Hypochondrie, Neurotizismen) begünstigen. Eine erwähnenswerte Besonderheit der posttraumatischen
Kop
fschmerzen
ist die dysautonome
Kephalg
ie.
Einseitige, attackenartige Schmerzsensationen mit vegetativer Beteiligung,
teilweise auch Mydriasis
(= weite Pupille) und
Sehstörungen, kennzeichnen dieses Schmerzbild.
Therapie der se
kundären (= auf eine Grundkrankheit
zurückzuführenden) Kop
fschmerzen:
Grundsätzlich gilt es, die
herausgefundene Schmerzursache ursächlich zu behandeln bzw. zugrunde
liegende Noxen (=
schädliche Stoffe) wegzulassen.
Intermittierend (= zeitweilig), bis z.B. eine
kausale (= gegen
die Ursache gerichtete) Thera
pie wirksam wird, können
Schmerzmittel verabreicht werden. Kann die ursächliche Krankheit nicht oder nicht mehr erfolgreich therapiert
werden (z.B. fortgeschrittener Hirntumor), können Behandlungsmaßnahmen wie
bei
pri
mären Nicht-Mig
räne- oder
Bing-Horton-Kopfschmerz
versucht werden. Die Thera
pie bei der
Arteriitis temporalis (teilweise auch als
Arteriitis cranialis,
Arteriitis granulomatosa,
Riesenzellenarteriitis
oder
Riesenzellarteriitis
bezeichnet) (= En
tzündung der
Schläfenschlagader) besteht in
sofortiger Verabreichung von Kortikosteroiden. Als Einstiegsdosis werden
100mg Prednisolon täglich empfohlen, jeweils nach 5 Tagen wird dann um 10 mg
reduziert. Der therapeutische Fortschritt kann an der Blutsenkung ersehen
werden. Wenn ein
Analgetikamißbrauch
(=
Schmerzmittelmißbrauch)
tatsächlich auf ein chronifiziertes
Schmerzsyndrom
und nicht etwa auf ein eigendynamisches Suchtpotential zurückzuführen ist,
besteht die Therapie der daraus resultierenden Schmerzmittel-Kop
fschmerzen in sofortigem Absetzen des Schmerzmittels und nicht etwa in
ausschleichender Dosisreduzierung. Da mit dieser Maßnahme ja die
Schmerzquelle, wegen der die Analgetika
(=
Schmerzmittel)
überhaupt eingenommen wurden, nicht ausgeschaltet wird, muß die Therapie
derselben mit anderen Mitteln fortgesetzt werden, denn es macht ja wenig
Sinn, in dieser Situation wieder auf (andere) Schmerzm
ittel zurückzugreifen. Als alternative Therapie eignet sich in besonderem Maße die wiederholte
Verabreichung eines langwirkenden örtlichen Betäubungsmittels (z.B.
Bupivacain) in Form der therapeutischen Lokalanästhesie. Parallel zum En
tzug verordnen wir zur Abschirmung
möglicherweise auftretender vegetativer Entzugserscheinungen Trimipramin
(Stangyl®), initial
(= zu Beginn)
i.v. (= in die Blutader). Nicht selten besteht gleichzeitig auch ein Benzodiazepin-M
ißbrauch. Eine diesbezügliche
Entzugssymptomatik kann mit Carbamazepin oder Valproinsäure behandelt werden
(Apelt et al. 1992). Die En
tzugsbehandlung bei
Analgetikaabusus
(=
Schmerzmittelabusus
bzw. -mißbrauch) erfordert
intensive ärztliche Interventionen, was in der Regel nur im Rahmen einer
stationären Therapie durchführbar ist (Schmerzzentrum,
Schmerzklinik).
"Psychoge
ne"
(= psychisch verursachte)
Kop
fschmerzen sollten stationär psychosomatisch orientiert behandelt werden. Da die
betroffenen Patienten fast regelmäßig auf einer körperlichen Ursache ihrer
Schmerzen "bestehen", ist es nicht sinnvoll, sofort in die Psychotherapie
einzusteigen, man riskiert damit nur, daß der Patient die Therapie abbricht.
Indem wir mit einer täglichen therapeutischen Lokalanästhesie im Kopfbereich
beginnen, geben wir dem Patienten das Gefühl, daß auch wir an die
körperliche Entstehung seiner Schmerzen glauben. Gleichzeitig aber bestehen
wir darauf, daß der Patient an Einzelentspannungsübungen wie z.B. autogenem
Training teilnimmt, was meist auch eingesehen und toleriert wird. Der
Psychotherapeut, der auch das autogene Training durchführt, erhält so die
Gelegenheit, die Patienten kennenzulernen und Vertrauen zu bilden, um auf
dieser Basis allmählich in
psychologische / psychotherapeutische Interventionen einsteigen zu
können. Hilfreich ist auch eine 3-4 tägige psychovegetative Entspannung durch eine
sogenannte "Schlafkur". Zur wiederholten Schlafinduktion verwenden wir 1-2
mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol ®), zusätzlich geben wir 1-2 mal täglich 40 mg Prothipendyl (Dominal forte ®). Eine weitere Interventionsmöglichkeit
bietet die Verabreichung psychotroper schmerzdistanzierender Substanzen
(= Mittel zur
Therapie
der Psyche, aber auch bei Schmerzen hilfreich).
C
Kombinationskopfschmerzen:
In der Klinik sehen wir den
Kombinationskopfschmerz
immer häufiger, wobei eindeutig die Kombination eines
pri
mären
(= als eigenständiges Krankheitsbild auftretenden)
(hauptsächlich Mig
räne) mit
se
kundären (= als Folge einer Erkrankung oder "Vergiftung"
auftretenden) (hauptsächlich
Analgetikakopfschmerzen)
Kop
fschmerzen
dominiert. Bei Beteiligung eines Schmerzm
ittelkopfschmerzes kann oftmals die
Ursprungskomponente erst nach einer Entzugsbehandlung diagnostiziert werden, weil erst dann die ursprüngliche
spezifische Symptomatik wieder in den Vordergrund rückt. Kombinationskop
fschmerzen treten fast immer als
Dauerkopfschmerzen
auf.
Die Kombinationen
C1.
Migräne und Kop
fschmerzen vom Spannungstyp, wobei
die einzelnen Komponenten entweder gemeinsam oder zeitlich voneinander
getrennt auftreten können. Da die Einzelsymptome fließend ineinander
übergehen können, lassen sich nicht in jedem Falle die Einzelkomponenten
trennen. Häufig kommen die Patienten mit der Hilfsdiagnose "migränoide
Kephalgie"
(=
migräneartige Kop
fschmerzen).
C2.
Migräne und
Schmerzmittel-/Ergotamin- Kop fschmerzen.
Bei dieser Kombination dominiert als
zweite Komponente aufgrund eines Schmerzm
ittel- oder
Ergotaminabusus
(= mißbräuchliche Anwendung von Ergota
min)
ein vasomotor
ischer (= von
Blutgefäßen ausgehender)
Schmerztyp, also dumpf und pulsierend. Ein unflankierter
Entzug des
Ergotamins
(=
in dem als alleinige Maßnahme das Ergota
min weggelassen
wird) führt häufig zu
statusartigen (=
anhaltenden)
Migräneanfälle
n.
C3. Spannun
gs- und Schmerzmittelkop
fschmerzen.
Anamnestisch traten die ursprünglichen
Kop
fschmerzen
vom Spannun
gstyp früher sehr häufig, oft täglich auf und zwangen so zu häufiger
Schmerzmitteleinnahme, wodurch sich schleichend zusätzlich Schmerzm
ittelkop
fschmerzen
ausbildeten. Aktuell geben die Patienten meist
Dauerkopfschmerzen
mit wechselnder Intensität an.
C4. Andere Kombinationen sind
möglich, jedoch seltener, so z.B. vertebragener
Kop
fschmerz (=
von der Halswir
belsäule
ausgehender Kop
fschmerz)
und Schmerzm
ittel-Kop
fschmerz.
Therapie des Kombinationskop
fschmerzes:
C1. Zur Therapie der Kombination von Mig
räne
und Kop
fschmerzen
vom Spannun
gstyp
gilt als Mittel der Wahl die parallele Medikation mit einem Beta-Blocker
(= eigentlich ein Blutdruckmittel, wirkt aber auch gegen Mig
räne)
und einem
Antidepressivum
(= Mittel gegen
Depression, u.a. aber auch bei Kop fschmerzen hilfreich). Wir bevorzugen
Propanolol (z.B. Dociton ®), 160-240 mg/d und Maprotilin (z.B. Ludiomil ®),
bis 150 mg/d. Für die akute und subakute Therapie hat sich die
therapeutische Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) im
Kopfbereich bewährt. Je nach aktueller Schmerzsituation können auch
Schmerzmittel
verabreicht werden.
C2. Bei allen Kombinationen, die mit
einem Ergotamin- bzw.
Schmerzmittelabusus
(= mißbräuchliche
Anwendung von Schmerzmi
ttel
bzw. Ergo
tamin)
einhergehen, wie die Kombinationen Migräne und Ergota
min-
oder Schmerzmittelkop
fschmerzen,
steht zunächst die
Entzugsbehandlung
im Vordergrund. Wegen der gefürchteten
Entzugskopfschmerzen
sollte die Therapie stationär in einer Schmerzklin
ik erfolgen. Nach unserer Erfahrung läßt sich ein
Entzug
besonders erfolgreich mit
Trimipramin
(Stangyl ®) (= ein Mittel primär zur
Therapie
der Psyche, wirkt aber auch
schmerzlindernd) bewerkstelligen.
Die sonst ca. 3-10 Tage anhaltenden En
tzugskopfschmerzen sprechen in der Regel zuverlässig auf die wiederholte (1 bis 2 mal
tägliche) therapeutische Lokalanästhesie im Kopfbereich an. Die Therapie mit einem örtlichen Betäubungsmittel ist in dieser Situation
die optimale Lösung, da es wenig sinnvoll ist, den En
tzugskopfschmerz wieder mit (anderen)
Schmerzmitteln behandeln zu wollen. Da die therapeutische Lokalanästhesie
auch zur prophylaktischen
(= vorbeugenden)
Migränetherapie
geeignet ist, tritt die ursprüngliche Mig räne nach einem
erfolgreichen En
tzug oft nur noch in abgeschwächter
Form auf. Bei nicht ausreichender Wirkung kann immer noch zusätzlich ein Betablocker
(=
Blutdruckmittel, das auch bei Mig
räne hilft)
(z.B. Propanolol) oder ein Serotonin-Antagonist
(= ein dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkendes Mittel)
verabreicht werden.
C3. Die Therapie der Kombination Spannun
gs-
und Schmerzm
ittekop fschmerzen
erfolgt analog zu 2. Zunächst beginnt man wieder die Entzugsbehandlung mit
Trimipramin (Stangyl®) unter dem Schutz einer wiederholten therapeutischen Lokalanästhesie
(=
Behan
dlung
mit einem örtlichen Betäubungsmittel). Im Zuge einer stationären Therapie führen wir diese dann 2x täglich noch
ca. 10-14 Tage konsequent weiter. Zur
Schmerzprophylaxe
(=
Schmerzvorbeugung)
des Spannungskopfschmerzes ist die Einleitung einer schmerzdistanzierenden
psychotropen Medikation
(= Mittel zur Therapie
der Psyche,
wirken aber auch gegen Kop
fschmerzen)
sinnvoll. Dazu tauschen wir dann später Trimipramin (Stangyl®) gegen
Maprotilin (z.B. Ludiomil®) oder Doxepin (z.B. Aponal®) aus.
C4. Vom Prinzip her gelten die
beschriebenen Therapiemaßnahmen auch für andere Kombinationen. Ist
eine Komponente ein Schmerzm
ittel- Kop
fschmerz, so erfolgt immer zunächst
der En
tzug danach wird das ursprüngliche Kop
fschmerz-Syndrom behandelt. In der
Praxis ist es allerdings oft nicht einfach, einen Kombinationskop
fschmerz zu erkennen, besonders wenn
eine langjährige chron
ische Verlaufsform vorliegt. Auch wenn wir nicht sicher sind, daß Schmerzm
ittel- (oder Ergotamin-)
Kop
fschmerzen
vorliegt, dies aber aufgrund des aktuellen Medikamentenverbrauchs
theoretisch möglich erscheint, führen wir die beschriebene Entzugsbehandlung
durch, wobei wir die gewohnte, bisherige Schmerzmittelmedikation sofort
absetzen. Nicht selten bleiben
Kop
fschmerzen
nach dieser Therapie völlig weg, so daß dann nicht einmal mehr im nachhinein
eine differenzierte Diagnose gestellt werden kann.
Therapeutische Lokalanästhesie
(=
Schmerzbehandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel) im Bereich des
Kopfes zur En
tzugsbehandlung: Blockade aller Ner
ven, die an der sensiblen Innervation
(= Versorgung) des
Schmerzbereichs beteiligt sind (infrage kommen die Ner
ven supraorbitales, occipitales majores et minores), mit 1-2 ml z.B.
Bupivacain 0,25-0,5% an ihren Austrittspunkten, 1 bis 2 mal täglich.
Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis- Region
(= Schläfenbereich)
und korrespondierende Triggerpunkte
(= Schmerzreizpunkte)
infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(= Mus
keln und deren
Gewebsumhüllung betreffende)
Triggerpunkte. Bei hinterkopfbetonten
Kop
fschmerzen,
auch mit mehr oder weniger deutlicher Beteiligung der Halswir
belsäule, unabhängig davon wie die
Kop
fschmerzen
nach den obengenannten Kriterien klassifiziert wurde, führen wir in gleicher
Sitzung tiefe Infiltrationen der paravertebralen
(= an die Wir
belsäule
angrenzenden) Mus
kulatur mit insgesamt etwa 4- 6 ml
durch.
Grundsätzlich sind auch bei den
verschiedenen Kombinationskop
fschmerzen nichtmedikamentöse
Therapieverfahren sinnvoll, so z.B. die transkutane
(= über die Haut
verabreichte) elektrische
Nervenstimulation mittels Klebeelektroden und
Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale),
insbesondere aber auch
psychologische Interventionen (z.B. Erlernen von Entspannungstechniken,
Schmerzbewältigung).
Wichtige Schlußbemerkung
·
Wenn Kop
fschmerzen ohne erkennbare Ursache neu
auftreten und längere Zeit anhalten oder immer wieder kommen, so müssen
zum Ausschluß organischer Ursachen unbedingt folgende Untersuchungen
durchgeführt werden:
-
Elektroenzephalogramm (EEG)
(= Ableitung und
Registrierung der elektrischen Hirnströme)
-
Computertomographie (CT) des
Schädels, evtl. Magnetresonanztomographie (MRT)
Viele gute Gründe sprechen für eine stationäre
Behandlung
in der SCHMERZKLINIK am ARKAUWALD,
so z.B.:
- Reichhaltige Erfahrungen - in der
Klinik
werden seit 1987 ausschließlich Patienten mit chronischen Schmerzen
behandelt.
- Hohe fachliche Kompetenz, die Klinik
bzw. der Chefarzt besitzt die volle Weiterbildungsermächtigung
der Ärztekammer für das
Fachgebiet
„Spezielle Schmerztherapie".
Für Mitglieder
gesetzlicher Kostenträger bieten wir auf der Grundlage des § 40 bzw. 111 SGB V
Rehabilitationsbehandlungen
an und für
Patienten mit privater Krankenkasse werden Krankenhausbehandlungen
gemäß OPS 8-918 durchgeführt. Die Klinik ist auch beihilfefähig. Teilweise
übernehmen auch Rentenversicherungen und Berufsgenossenschaften die
Kosten. Zu weiteren Informationen (Behandlungsformen, Beantragung der Kostenübernahme bei den
verschiedenen Kostenträgern,
Schmerzambulanz usw.)
gelangen Sie hier:
http://www.schmerz.com/konzept-und-kostentraeger (einfach anklicken).
Wenn Sie ein spezielles Schmerzthema suchen, schicken Sie uns einfach ein
kurzes Mail: schmerz@schmerz.com. Wir
informieren Sie prompt. Wir haben über 700 Themen im Internet, diese können wir
hier aber nicht alle auflisten.
Infos (z.B.
Prospekt) können Sie zu jeder Tages- oder Nachtzeit anfordern, auch am
Wochenende!
Tel.: +49 (0) 7931 - 545-0
* Fax: +49 (0)
7931 - 545-131
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aktualisiert: >18.01.10</> <strong>chronischer</strong>,
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